Bremsen und weg ist der Rabatt

Bremsen und weg ist der Rabatt

Was für ein geistig umnachteter Projektmanager muss bitte eine solche Idee geboren haben – Tracking des PKW Fahrverhaltens und eine daraus resultierende Versicherungs-Einstufung ?!

Seit vielen Jahren gibt es ja unterschiedlichste Modelle zur KFZ Versicherung und deren Prämieneinstufungen. Immer mehr und mehr wird das Risiko der Versicherungsunternehmer auf uns Versicherungsnehmer übertragen, ganz gleich wie hoch der Reingewinn der Versicherungsunternehmer am Fiskaljahresende ausfällt.

Die Sparkassen Direktversicherung hat nun ein eben solches Modell auf den Markt geworfen und will damit Fuß fassen. Ich kann an dieser Stelle nur inständig hoffen, dass dieses Modell ein Rohrkrepierer wird, denn sollte sich so etwas durchsetzen ziehen ganz bestimmt weitere geldgierige und gewinngeile Versicherungsunternehmen nach – dann hilft nur noch beten !

Ich versuche mir gerade vorzustellen, dass ich es eilig habe um am frühen Morgen zur Arbeit zu kommen. Es ist ein trockener, lauer Frühlingsmorgen um 06:00 Uhr und kein Schwein ist auf der freien Landstrasse unterwegs. Da ich die zu fahrende Strecke in- und auswendig kenne, ich hellwach bin und es eben eilig habe, beschleunige ich natürlich immer sehr zügig auf die vorgeschriebene Geschwindigkeit und bremse auch vor den Begrenzungsschildern entsprechend stark ab.

So, eine solche Fahrsituation wird sicher jeder von uns Autofahrern schon das eine oder andere Mal erfahren haben ?! Nun würde hier bei diesem neuen, schwachsinnigen Modell eine sogenannte Black-Box ( vergleichbar einem Flugschreiber ) eben dieses Fahrverhalten aufzeichnen und neben der gefahrenen Strecke auch noch sonstigen „Kleinkram“ an die Versicherung melden. Ha und schon hätte ich dann als Autofahrer verloren – dieses Fahrverhalten ( starkes Beschleunigen, vehementes Verzögern ) sorgt nämlich dafür, dass mein Versicherungsrabatt nach und nach verschlechtert wird.

Also entschuldigung bitte einmal, ich muss dann also nicht nur darauf achten, wer mit meinem Fahrzeug unterwegs ist, wann diese Person damit fährt oder wo mein Fahrzeug abgestellt wird, sondern sollte dann wohl auch noch ein G-Kräfte Messgerät in meinem Auto beachten um ja nicht zu vehement unterwegs zu sein ??

Irgendwo muss doch langsam einmal mit diesem Haftungsausschluss der Versicherungen schluss sein ? Was ist denn dann bitte unterm Strich eigentlich in welcher Situation noch versichert respektive wirkt sich auf meinen Versicherungsrabatt aus ? Alles mögliche fliesst in den Rabatt und die Versicherungsleistung mit ein und nimmt eben immer mehr und mehr die Verantwortung von den Versicherungsunternehmen weg und überträgt diese auf uns Autofahrer – was bitte ist denn dann daran noch eine Versicherung im eigentlichen Sinne ? Grundlegend sollte doch eine Versicherung eben dann einspringen, wenn ich selbst einen Fehler gemacht habe oder durch Fremdverschulden in Probleme, welcher Art auch immer, gerate. Eben dieser Umstand wird nach und nach entmündigt und in der Quintessenz liegt fast die gesamte Verantwortung nur noch bei uns Versicherungsnehmern !

Als Abschluss fällt mir nun noch ein, dass ich beispielsweise vor einigen Jahren einen vollkommen übertriebenen Kleinwagen gefahren hatte – viel zu viel Leistung und dazu noch wirklich gerne genommen ( hohe Diebstahlrate ) :). Da ich in dieser Zeit noch bei 125% meines Versicherungsrabatts lag, war der jährliche Beitrag nicht gerade gering – ich zahlte mit einer rudimentären Teilkaskoversicherung im Jahr 1.270 D-Mark ( 651 € ). In dieser Versicherung war allerdings alles mögliche mit abgedeckt. Es gab keine Kilometerbegrenzung, es gab keine Vorschrift wo ich wann und wie zu parken habe und auch gab es erst recht keine Vorschrift wie ich mein Auto zu fahren habe.

Heute fahre ich einen langweiligen Kleinwagen ( jaja, auch ich werde älter 😉 ), welcher an jeder zweiten Strassenecke noch einmal steht und bin bei 35% meines Versicherungsrabatts angelangt wofür ich nun pro Jahr 451 € abdrücken darf. Die Versicherungsgrundleistung ist identisch geblieben, doch darf ich nun nur noch 20.000 km im Jahr fahren, nicht jeder darf mein Auto bewegen und ich darf auch nicht überall parken, von Unwillen wie Überflutung und ähnlichen einmal ganz abgesehen, was einfach nicht mehr mitversichert werden kann. Wow, ich bezahle also prozentual betrachtet massiv mehr als noch vor eben einigen Jahren und das bei massiv schlechteren Versicherungs-Leistungen.

So und jetzt soll nach dem Willen der Sparkassen-Versicherung Sparkassen DirektVersicherung AG so ein Hühnermist wie eine Telematik-Box in mein Auto um … um … ach kommt schon, das kann doch nicht Euer Ernst sein ?!?!

2 Kommentare zu “Bremsen und weg ist der Rabatt

  1. Freundlicherweise wurde ich durch die Pressesprecherin der Sparkassen-Versicherung darauf aufmerksam gemacht, dass dieses, von mir hier suboptimal dargestellte Versicherungsmodell ein reines Produkt der Sparkassen DirektVersicherung AG ist – gerne habe ich natürlich meinen obigen Detailfehler somit korrigiert.

    Die Sparkassen-Versicherung hat ein solch‘ tolles Modell derzeit ( noch ) nicht im Portfolio, Zitat: „…Wir haben zwar auch eine Box im Angebot, diese hat aber nur die Funktion, im Falle eines Unfalls einen Notruf abzusetzen…“. Das ist wirklich weise und die Wunschvorstellung wäre, dass ein solches Produkt auch niemals angeboten wird 🙂

  2. Hier noch ein Statement zu diesem Thema, gefunden auf http://www.heise.de … komisch, auch in diesem Artikel ist von der „Sparkassen Versicherung“ die Rede 😉

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