Hund und Hirn

Hund und Hirn

„Dein Leben wird sich verändern …“ sagten Freunde und Familie. „Du wirst bei vielen Dingen umbauen und umdenken müssen …“ wurde mir immer wieder mitgegeben. Okay, ich dachte noch, mir wäre dies alles auch so bewusst gewesen und ich würde damit ja sicher klarkommen. Falsch gedacht, zumindest was den Einfallsreichtum diverser Menschen diesbezüglich betrifft – Kurzsichtigkeit und Borniertheit dominieren wohl das Verhalten ganz vieler.

Es geht hierbei natürlich um unsere kleine Fellnase – Australian Shepherd seines Zeichens und Meister in seinem Fach, die große Welt zu entdecken.

Ich hatte mir, bevor der kleine Mann hier einzog, eben viele Gedanken gemacht, von Zeitaufwand über Materielles bis hin zu eigentlich dem gesamten Alltag. Zu diesen Gedanken zählten dann natürlich auch die Meinungen und Ratschläge aus der Familie und dem Freundeskreis – allesamt bedacht und beschlossen, die Fellnase darf einziehen.

Womit ich nun, nachdem der kleine Shepherd hier eingezogen war, wirklich nicht gerechnet hatte, war die gnadenlose Rücksichtslosigkeit, Grenzüberschreitung und Ignoranz viel zu vieler Menschen. Ich versuche das Ganze einmal anhand einiger Beispiele zu verdeutlichen, was ich damit meine …

Ich bin mit der Fellnase am Strand unterwegs, einfach den Sand und die Sonne geniessen. Wir toben durch den Wind und machen einfach das, worauf wir gerade Lust haben, da taucht vor uns ein Paar mit ihrem Hund auf. Wir klären schnell, ob die Fellnasen miteinander spielen dürfen ( was ja eigentlich schon mal ein sehr guter Anfang war ) und bleiben kurz stehen um die Rasselbande toben zu lassen. Es entsteht ein kurzes Gespräch und deren zweiter Satz ist die Frage an mich: „was bekommt ihr Kleiner denn zu futtern ?“ Ich erzähle, dass er noch spezielles Welpenfutter bekommt und schwupps werde ich jäh unterbrochen … „das geht ja gar nicht, Du musst dem Hund unbedingt gekochtes Hühnchen mit Reis geben, sonst wird aus dem nie was werden. Nur das und nichts anderes, klar ?!“ Oh spannend, wir hatten uns noch nie gesehen, ich kenne die Menschen nicht und sie uns auch nicht, doch bekomme ich gleich sehr deutlich vorgegeben, was mein Hund futtern darf und was nicht und per-du sind wir auf einmal auch noch !? Einfach herrlich, das werde ich jetzt in Zukunft auch machen – mich vor ein Schnellrestaurant stellen und jeden blöde anmachen, der mit einem Burger da raus kommt … sorry, aber was soll so ein Verhalten bitte ?

Mit dem ersten Beispiel wollte ich langsam anfangen und jetzt steigere ich das Ganze mal ein wenig. Auch hier wieder bin ich mit dem kleinen Shepherd unterwegs und sehe am Horizont eine Dame mit ihrem unangeleinten Hund spazieren gehen. Wir kommen uns näher und ich hole mein Fellknäuel zu mir, ich weiss ja nicht, ob der entgegenkommende Hund mit ihm spielen darf ( hat er vielleicht eine Krankheit oder Verletzung, soll er das noch üben, oder oder oder … ). Mein kleiner Racker ist gerade brav an meiner Seite angekommen, da holzt ein geschätzt 30kg schwerer, ausgewachsener Labrador in ihn rein, brettert ihn über den Haufen, weg von mir und stellt sich, zum Spiel auffordernd vor ihn. Ich drücke den extrem unfreundlichen Labby erst einmal beiseite, meinen Kleinen zu mir und frage, das mittlerweile neben mir stehende Frauchen des Labby, ob sie bitte ihren Hund ein wenig „beruhigen“ könnte. Oh, das hätte ich wohl besser sein lassen sollen, denn ausser dummen Kommentaren und Vorwürfen, ich würde den Hunden das Spiel verbieten und kein Wunder, dass meine Fellnase so asozial wäre, ernte ich nichts sinnstiftendes – Moment einmal, ihr Hund ist doch eben wie eine ungebremste Dampframme reingerannt und hat auf nichts, aber auch gar nichts gehört. Ich habe ja nichts gegen ein schönes Spiel unter Hunden, aber doch bitte nicht so rabiat. Das wollte die gute Frau nicht einsehen, ging zeternd weiter und … naja, ihren Hund hatte sie wohl vergessen, denn der lief uns beiden brav hinterher, Frauchens Rufe gepflegt ignorierend. Ich hätte einfach weitergehen sollen, das kreischende Frauchen des Labby hinter mir herlaufend, hatte dann aber letztlich doch gewartet, dass sie ihren Raufbold wieder per Leine einsammeln konnte.

Noch mehr ? Leider gar kein Problem. Wir gehen an einem See in den Bergen spazieren und kommen an eine kleine Holzbrücke. Am Ende dieser etwa 20m langen Brücke, links und rechts davon seichtes Wasser, steht eine Dame mit ihrem Jack-Russell neben sich an der Leine. Ich leine also brav meinen kleinen Fellklops ebenfalls an und bitte sie, etwa 5m vor der Dame, etwas zur Seite zu gehen, damit wir vorbei können – sie hatte sich bisher nicht einen Zentimeter bewegt und stand mittig auf der Brücke. „Die beiden können ruhig spielen …“ flötet sie mir zu und beugt sich zu meinem kleinen Shepherd herunter. „Ich würde ungerne die beiden an der Leine toben lassen und erst recht nicht auf der Brücke. Wenn Sie bitte ein Stück zur Seite gehen und uns durch lassen, können die Hunde ohne Leine gerne danach spielen“. Das war wohl gar nicht im Sinne dieser Dame und sie begann meinen Racker zu sich zu locken, ebenso ihren Hund … ähm, Augenblick einmal bitte. Ich bitte sie höflich, das sein zu lassen, da ich nicht möchte, dass sich auf der Brücke die Leinen verheddern und ausserdem bitte nicht meinen Hund zu locken, obwohl ich ihn zu mir gebeten hatte. Oha, auch hier hätte ich wohl besser nichts sagen sollen, denn sofort kam ein „jetzt lassen sie die Hunde doch spielen, meine Güte, was soll das denn. Ich habe doch gesagt, die dürfen das …“ und leint, noch immer auf der Brücke mittig stehend, ihren Jack-Russel ab, der sichtlich keine Lust auf ein Spiel hatte, sondern mittlerweile mit eingezogenem Kopf hinter seinem Frauchen stand. Da sie nun zum Glück etwas zur Seite gegangen war, lief ich an ihr vorbei und wollte einfach weg, doch die Rechnung hatte ich da wohl ohne sie gemacht. Sie wäre zertifizierte Hundetrainerin und ich solle doch endlich meinen Hund von der Leine nehmen. Okay, gesagt, getan. Ich leine meinen kleinen nach der Brücke ab, drehe ihn absichtlich, bevor ich ihn freigebe noch ordentlich auf und mit den Worten „na bitte, sie sind die Trainerin … aber vorsicht, er beisst gerne kleinere Hunde“ sehe ich ihn in deren Richtung wetzen. Das Gesicht der Dame war herrlich „weg da, geh weg, wenn du beisst verschwinde endlich …“. Ich rufe meinen Kleinen zu mir und wir gehen weiter, die beiden Durchgeknallten einfach stehen lassend.

Mal ernsthaft, was denken die Menschen sich bei so etwas ? Ich kann doch nicht einen angeleinten Hund zu mir locken, obwohl das Herrchen dies eindeutlich ablehnt. Ich kann doch nicht über einen anderen Hund entscheiden, obwohl ich diesen gar nicht kenne. Natürlich beisst meine Fellnase niemanden, aber was hätte sie getan, wenn das wirklich so gewesen wäre ?

Zu guter Letzt noch mein persönliches Low-Light, leider hier nicht nur unverschämt und Grenzen überschreitend, sondern ernsthaft gefährlich.

Wir kommen gerade mittags von unserer kleinen Spazierrunde zurück und meine kleine Fellnase wartet brav neben dem Auto, bis ich Leine & Co. ausgeladen habe. Da höre ich, wie auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Frau meinen Kleinen zu sich locken will. Sie flötet und ruft und winkt zu ihm „och du bist ja süß, komm‘ doch mal her, na komm‘ *flöt-träller-quietsch*“. Ich stoppe den kleinen Mann, der sich schon umgedreht hatte und rufe der Frau zu, sie möge das bitte sein lassen – schließlich war zwischen ihr und meinem Hund eine Straße, auf der die ganze Zeit Autos fuhren. Originalantwort der Dame: „Ach was, der ist doch so niedlich, komm‘ mal her mein Kleiner *quietsch-pfeiff*“. Ich werde deutlicher und bitte sie, dies sein zu lassen, da ich nicht möchte, dass mein Hund überfahren wird wenn er doch zu ihr rennen sollte – was er zum Glück nicht tat, sondern sich mittlerweile brav neben mich setzte. Abschätziges Unverständnis der Dame und nur ein „Sie sind aber unhöflich …“ waren die letzten Worte, bevor sie sich von Dannen schlich‘.

Was hätte die Frau denn bitte getan, wäre meine Fellnase einfach losgerannt, ein Auto hätte ihn erfasst und im Zweifel noch einen Unfall, neben einem verletzten ( oder gar toten ) Hund, verursacht ? Was bitte geht im Kopf von solchen Menschen vor sich, das habe ich leider bis heute nicht verstanden.

Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Menschen einen Hund respektieren und wenn schon nicht dies, dann wenigstens die Entscheidungen von Frauchen oder Herrchen des jeweiligen Hundes – zumindest solange der Hund nicht offensichtlich gequält oder misshandelt wird. Ich wünsche mir mehr Zurückhaltung und Respekt, dem Mensch-Hund-Team gegenüber, welche einem so im Alltag begegnen …

Wir machen uns weiter eine geile Zeit, geniessen jede Stunde und alles Neue was uns begegnet, mittlerweile allerdings immer die „Unwillen der Anderen“ im Hinterkopf 🙂

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Freude, Gedankenlos, Hund, Kurzsichtig


Sven Neidahl

Hallo, ich bin Sven, technikfanatischer Mensch mit Blog-Ambitionen. Ich liebe leckeres Essen, laute Musik und Wandern mit anschliessendem Wellness-Programm, hauptsache "Lebe das Leben mit Liebe, Spass und Technik".

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