Tempo- und Realitätslimit

Tempo- und Realitätslimit

In der letzten Zeit ist ja wieder einmal die Diskussion um ein pauschales Tempolimit auf deutschen Autobahnen in vollem Gange. Ich versuche dieses Thema so nebenbei auch zu verfolgen und stelle mit jedem gelesenen Artikel, jedem Nachrichtenspot oder jeder Newsmeldung immer mehr fest, dass insbesondere bei diesem Thema hierzulande eine deutliche „Lemming-Mentalität“ an den Tag gelegt wird.

Irgend ein angeblich ach so gebildeter Verkehrsforscher wirft mit Zahlen und Statistiken zum Thema „Unfalltote mit Fahrzeugbeteiligung“ um sich und schon laufen dieser Aussage abertausende Menschen hinterher und postulieren eben diese ohne nachzudenken. Es kursieren wilde Zahlen welche sich jedoch bei genauerer Betrachtung jeglicher Realität entbehren. Das für mich markanteste Beispiel ist die Zahl von 3.285 Verkehrstoten im Jahr 2018, welche natürlich ohne eben besagte Nachfrage als allesamt auf ein nicht vorhandenes Tempolimit auf deutschen Autobahnen zurückzuführen sind ?!

Was für ein ausgemachter Mumpitz ! Der größte Anteil dieser Verkehrstoten in Deutschland ist auf den Landstrassen zu beklagen und hier sogar auf Abschnitten mit einer deutlichen Begrenzung von unter 100km/h. Ein weiterer großer Anteil ist innerstädtisch zu verzeichnen, und hier herrscht bekanntlich ein pauschales Limit von 50 oder gar 30km/h. Alle diese tödlichen Unfälle nun herausgerechnet verbleibt nur ein recht geringer Anteil welcher auf die Autobahn entfällt. Leider bedenken dann die vielen Lemming-Protestler weiterhin nicht, dass über die Hälfte dieser Unfälle mit Todesfolge auf tempotechnisch begrenzten Abschnitten, in Baustellen oder Auf- sowie Abfahrten erfolgen.

Unterm Strich verbleiben somit gerade einmal 120 Verkehrstote, welche auf unbegrenzten Autobahnabschnitten gestorben sind. Natürlich keine Frage, das sind eindeutig 120 Opfer zu viel, doch sind es eben auch nicht die „über 3.000 Tote“, sondern nur etwas mehr als 3% davon. Wie wäre es denn mit anderen Regelungen, um solche schrecklichen Opferzahlen zu minimieren ? Schärfere Kontrollen, strengere Strafen bei Verstößen, Nachprüfungen, Fahrtrainings als Pflichtprogramm, Entzug der Fahrerlaubnis bei Wiederholungstätern, fahrtechnische Geschwindigkeitslimitierungen bei Fahranfängern und so weiter … einfach nur das Tempo zu limitieren hilft den dann theoretisch verbleibenden 3.165 Opfern nämlich nicht ein Stück weiter !

Ich für meinen Teil fahre seit Jahren mehrere zehntausend Kilometer jedes Jahr und viele davon auf der Autobahn und mag aus meiner Erfahrung berichten, dass zuletzt sicher 80-90% dieser 120 Verkehrstoten zu vermeiden wäre, wenn die Autofahrer weniger Rücksichtslos, mehr geübt und umsichtig fahren würden – dazu hatte ich mich ja auch bereits einmal in meinem Blog hier geäußert – und so ein positiveres Verhalten kann auch mit keinem Tempolimit erzwungen respektive anerzogen werden.

Und dann haben wir als zweites Totschlag-Argument ja noch die Umweltverschmutzung, welche nach den ebenfalls supergebildeten Forschern durch ein Tempolimit deutlich verringert werden soll. Dieses Argument mag ich nun nicht gleich als falsch oder hinfällig bezeichnen, doch ist dies ebenfalls sehr beschränkt betrachtet und für meinen Geschmack schalten auch dabei viel zu viele Menschen ihren Realitätssinn aus oder legen eben die sprichwörtlichen Scheuklappen an.

Statistische Hochrechnungen besagen, dass ein pauschales Tempolimit auf deutschen Autobahnen die CO2-Emissionen um gerade einmal 0,3% senken würde. Diese Einsparung ist so verschwindend gering, dass es genügen würde, wenn Omi Else und Opi Harald einfach einmal auf die Kreuzfahrt-Weltreise jedes Jahr verzichten würden. Durch die Emissionen der Kreuzfahrtschiffe werden alleine deutlich mehr Schadstoffe in die Umwelt entlassen, als es ein Tempolimit kompensieren könnte. Warum also bitte wird nicht an dieser Stelle nach Lösungsansätzen gesucht ?

Insgesamt gibt es weltweit ca. 14.000 Tanker der verschiedensten Typen ( diese Zahlen sind leider nur aus dem Jahr 2013, es werden also vermutlich mittlerweile mehr sein ) und diese zusammen emittieren mehr Schadstoffe in einem Betriebsmonat als ALLE Autos weltweit zusammen in einem Jahr. Wenn ich darauf nun einmal 0,3% Senkungsanteil in Deutschland nach einem theoretischen Tempolimit lege, dann heisst das im Klartext:

Eine Schadstoffreduktion von 50% bei gerade einmal 17 Tankern auf den Weltmeeren bringt mehr CO2-Ersparnis als ein pauschales Tempolimit auf deutschen Autobahnen

( Gefahrene Kilometer und Einsatzdauer auf ein statistisches Mittel gerechnet )

Diese beiden Beispiele zeigen nur einen ganz geringen Anteil, denn die chemische Industrie, die Energiewirtschaft, die produzierende Schwerindustrie, die Kohlekraft zur Energiegewinnung, die großflächige Rodung von Wäldern, das Militär und noch viele andere tragen MASSIV mehr zu einer schlechten CO2-Statistik bei, als es ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen über Generationen hinweg jemals kompensieren könnte.

Sicher muss jeder seinen beitrag leisten, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, das steht ausser Frage, doch warum bitte muss denn ein ganzer Staat nicht wirklich effizient und sinnvoll mit einem dämlichen Regelwerk versehen werden ( wie hier eben das diskutierte Tempolimit ), wenn es doch effizientzere, einfachere und viel bessere Lösungen gibt ? Ich empfinde es nach wie vor als Augenwäscherei und stumpfe Propaganda-Schreierei, ein Tempolimit als zwingend nötigen Hebel zur sinnvollen CO2-Reduktion heranzuziehen, das ist hoffentlich auch hierdurch belegbar deutlich geworden.

Die positiven Aspekte einer unlimitierten Autobahnfahrt scheinen in dem Protestgewusel auch irgendwie unterzugehen. Ich kann in Deutschland mal eben in 5 Stunden quer durch unser Land fahren ( zugegeben, das klappt nur Nachts bei wirklich freien Straßen ). Ich kann ein Gefühl von exklusiver Freiheit erleben, welches so weltweit einmalig ist. Es gibt technische Entwicklungen im Fahrzeugumfeld, welche ohne unsere unlimitierte Autobahn nie stattgefunden hätten und noch so vieles mehr … ach Leute, schaltet doch bitte einmal Euer Großhirn ein, bevor sinnlose Beschränkungen erlassen werden sollen, die hinten und vorne nur minimal wenig bis gar keinen Sinn ergeben.

Sollte nach dem Lesen dieses Artikels der Eine oder Andere eventuell doch einmal mehr als nur ein Lemming sein wollen, dann bitte seht Euch selbst die Quellen an, welche ich für diesen Artikel herangezogen habe, um nachweisliche Zahlen und Fakten darstellen zu können:

Autobahn, CO2, Gesetz, sinnfrei


Sven Neidahl

Hallo, ich bin Sven, technikfanatischer Mensch mit Blog-Ambitionen. Ich liebe leckeres Essen, laute Musik und Wandern mit anschliessendem Wellness-Programm, hauptsache "Lebe das Leben mit Liebe, Spass und Technik". Du kannst mich auch auf Facebook und Instagram finden.

Comments (2)

  • Schade,
    schreibst eigentlich ganz gut-manchmal so gar sehr gut- aber dieser Beitrag ist wirklich für die Tonne.
    Stell dir einfach vor, DU wärst einer der 120 Toten, der durch einen freiheitsliebenden, 230 km/h schnell fahrenden Fahrer, im Augenblick einer Unkonzentriertheit oder auch eines Gott gewollten Bugs im Verkehrsraum oder in der Fzg-Technik sein Leben verliert. Und ein Sachverständiger stellt dann im Nachhinein fest: mit 130 wäre da gar nichts passiert-keiner hätte auch nur was von dem anderen mitbekommen.
    Aber das ist dann eben der Preis der Freiheit. Ein schöner Satz auf deinem Grabstein.
    PS der ADAC ist im übrigen doch tatsächlich von seiner Meinung abgerückt, dass Tempolimits auf BABs nichts nützen-oh, Wunder !!

    Gruß

    • … das hatte ich mir sehr wohl vorgestellt, Zitat: „Natürlich keine Frage, das sind eindeutig 120 Opfer zu viel …“. Auch habe ich mir vorgestellt, wie es den Freunden und Angehörigen dieser Opfer wohl ergehen muss – schrecklich, ohne Frage. Da ich mir jedoch auch vorgestellt habe, wie es den über 3.000 Opfern sowie deren Umfeld ergehen muss, welche nichts mit den Opfern auf „unbegrenzten Autobahnen“ zu tun haben, ist eben dieser Teil des Artikels entstanden.

      Ich will keine Menschenleben aufrechnen oder abwägen, das steht mir nicht zu, doch ist es eben nicht gerade richtig ( wenn leider auch wieder einmal „viel zu einfach“ ), sich an den ach so bösen schnell fahrenden Menschen festzubeissen, die mit 30 km/h innerorts einen Fahrradfahrer in den Tod reissenden jedoch in der Argumentation aussen vor zu lassen.

      Tod ist tod und definitiv absolut schrecklich, egal ob ein Mensch oder viele, doch stelle ich die Frage in den Raum , ob tausende Tote „schrecklicher“ sind, als 120 ? Ab diesem Punkt wird mir das dann zu philosophisch und darauf sollte der Artikel letztlich auch nicht alleinig abzielen.

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